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Daten und Wissenswertes über den Mauersegler (Apus apus) (Version: 31.01.09):

Alter

Obwohl die meisten sterben bevor sie 10-jährig sind, gibt es nachweislich Individuen, die ein Alter von mehr als 20 Jahren erreichen (Literatur: Weitnauer). Durchschnittliche Lebenserwartung wird zwischen 5 und 7 Jahren liegen. NABU: 4,7 Jahre zum Vergleich Rauchschwalbe 1,6 Jahre.

Art

Nicht mit Schwalben verwandt, noch zählen sie überhaupt zu den Singvögeln, sondern zu einer eigenen, tropischen Ordnung mit ungefähr 85-90 Arten, den Seglern (Apodiformes). Verwandschaftlich am nächsten steht ihnen die Ordnung der Kolibris.

Gemeinsamkeit mit Kolibris: Flügel mit sehr kurzem Ober- und Unterarm und sehr langer Hand – Körperbau und langovale weisse Eier.

Aufzucht durch den Menschen

Wenn Sie aus dem Nest gefallene Jungvögel oder geschwächte / verletzte Altvögel finden, bieten folgende Internetseiten sehr gute Informationen:

www.mauersegler.com unter „Aufzucht“

www.swift.mynetcologne.de

Aussehen

 

Adult: Braunschwarzes (Ruß- bis bräunlichschwarzes) Gefieder, auf der Oberseite metallischen Glanz, Kehle matt grauweißlich.

Jungsegler: Etwas dunkler gefärbt als die Eltern, Gefieder ist noch glanzlos, der Kehlfleck reinweiß, Stirnfedern auffallend weiß geschuppt, Flügelfedern sind mit starken, die der Oberseite mit schwachen weißen Rändern besetzt. Charakteristisch sind die zwischen Nasenöffnung und Oberschnabel vorspringenden weißen „Bärtchen“.

 

Sichelförmige, lange und spitze Flügel, welche den kurzen gegabelten Schwanz um ca. 35 mm überragen, sehr kleiner Schädel, Maul bis unter die Augen gespalten. Kurze, schwache Klammerfüße mit 4 nach vorne gerichteten Zehen, kann nicht aufrecht auf Ast sitzen dafür an Felsenklippen und Hausmauern hängen, dabei ist der Schwanz eine Stütze. Die ausgewachsenen Geschlechter sind nicht zu unterscheiden. Schnabel, Füße und Krallen sind schwarz. Die Iris tiefbraun.

Baumbruten

Im Naturpark Schlaubertal in Brandenburg südöstlich von Berlin: Bei den Eiszeitlichen Rinnenseen  dem Großsee und dem Pinnower See brüten in den Tauerschen Eichen, einem weitgehend natürlichen alten Traubeneichenbestand, baumbrütende Mauersegler. Quelle: Adler, Otter, Orchideen aus dem L&H Verlag Hamburg, ISBN 3-938608-03-X, 1. Auflage 2007.

Bruthöhle

In Mauerwerks- oder Dachnischen hoher Häuser, Kirch- oder Burgtürme, sehr standorttreu, sucht oft jahrelang das gleiche Nest auf,  auch Baumhöhlen (Siehe auch Abschnitt Baumbruten) oder Holznistkästen, Höhe auch ab 4 Meter. Meist brüten sie in Kolonien. Dabei verteidigt jedes Paar eine abgeschlossene Nisthöhle mit eigenem Zugang , die Jahr für  Jahr wieder benutzt wird.  (Siehe auch Abschnitt „Felsbruten“).
 
Der Falke 11/2008 Seite 440, Bericht von Hans-Heiner Bergmann, 34454 Bad Arolsen:
Vermutlich wegen verloren gegangener Brutnischen (Hausrenovierungen) nistet seit mind. 2 Jahren  im nordhessischen Städtchen Mengeringhausen ein Mauerseglerpaar in einem Mehlschwalbennest.  Wegen der Enge im Nest wird die These des Übens des Flügelschlagens für das Erreichen der Flugfähigkeit in Frage gestellt.

 

Brutzeit

18-21 Tage Brutzeit bei schlechtem Wetter 25 Tage, werden von beiden Eltern abwechselnd bebrütet. Die 1. Eier werden ca. am  20. Mai gelegt.

Mit dem Ausbrüten der Eier warten die Eltern nicht bis das Gelege vollzählig ist, daher schlüpfen die Jungen auch im Abstand von einigen Tagen.

Eier

Im Durchschnitt 2-3 weiße, langgestreckte Eier 16,4 / 25,5 mm. 

Gelegegröße: 1 Ei ca. 4 %, 2 Eier ca. 40%, 3 Eier ca. 50%, 4 Eier ca. 5 %.

Selbst ein Ei gemessen von KSK TUT 9.11.07: 15,6 / 27,2 mm mit Meßschieber.

Image 

 

Felsbruten

In Felsnischen im Nationalpark Sächsische Schweiz in Sachsen. Literatur: Der Falke 08/2006 Seite 246.

Flügelform veränderbar

Der Falke 7/2007 Seite 242:  Effizienter Gleitflug mit veränderter Flügelform

Mauersegler haben ein aerodynamisches Design für energetisch günstiges Fliegen entwickelt. Indem sich die Federn unterschiedlich stark überlappen, variieren die Vögel damit Größe und Form ihrer Flügel. Mauersegler kommen dann bei gleichem Aufwand deutlich weiter, können in der Luft schnellere Haken schlagen und brechen sich trotz härtestem Gegenwind nicht die Knochen.

War die Aerodynamik von Vögeln bislang nur mathematisch berechnet worden, gelangen nun im Windkanal genaue Analysen. Zur Verfügung standen 15 Flügelpaare von tot aufgefundenen Mauerseglern. Mauersegler wurden von einem Forscherteam unter niederländischer Leitung nicht nur im Flug beobachtet, sondern auch einzelne Flügel im Windkanal in ihrer Ausrichtung verändert, um Auftrieg und Effizienz je nach Flügelform und –stellung zu messen. Mauersegler, die den Anstellwinkel ihrer Flügel ideal ausrichten, können ihren Sinkflug um die Hälfte verlangsamen. Richtungsänderungen laufen hingegen dreimal schneller ab als bei statischen Flügeln – wie sie etwa bei Passagierflugzeugen vorkommen. Während im geraden Gleitflug und bei Aufstieg komplett ausgebreitete Flügel für die höchste Effizienz sorgen, sind zusammengeschobene Flügel für schnelle Fortbewegung und Wendemanöver ideal. Mit Muskelkontraktionen sind die Vögel in der Lage, die flexiblen Teile ihres Skelettes ideal auszurichten. Die voll ausgestreckten Flügel ermöglichen den besten langsamen Gleitflug und sind auch für den Auftrieb am effizientesten. Die Hypothese, dass zurückgelegte Flügel durch kleine Luftwirbel mehr Auftrieb erhalten sollen, wurde widerlegt. Zurückgezogene Flügel dienen dem Flug mit hohem Tempo und schnellen Kehren in der Luft; damit wird auch verhindert, dass die Flügel unter dem enormen Winddruck brechen. Die Fluggeschwindigkeit spielt eine entscheidende Rolle. Am wenigsten Energie brauchen Mauersegler im Gleitflug von acht bis zehn Metern pro Sekunde. Bei dieser Geschwindigkeit können die Vögel sogar in der Luft schlummern. Doch die Gleitkünstler sind nicht immer so sparsam und fliegen gern schneller und rasant. Die Zusammenhänge eröffnen auch Ansatzpunkte für die weitere Forschung und Entwicklung im Flugzeugbau. Würden dort z.B. variable Flügel eingesetzt, könnte die Effizienz der Maschinen verbessert werden. Bislang arbeiten vor allem Militärflugzeuge mit beweglichen Flügeln (F-14 Tomcat), allerdings längst noch nicht in dem Maße, wie dies Vögeln schon heute möglich ist.

D. Lentink u.a., Nature 446, 2007, 7139, S. 1082 – 1085, http://ezo.wur.nl

Flug

Sehr schnelle Flieger bis über 200km/h, an einem Tag bis 900 km, in vier Tagen 1300 km nachgewiesen. Afrikaflug in Höhen von über 3000 m im Dauerflug, Im Unterschied zu Schwalben reckt er die Flügel seitlich aus, so daß sie eine vollkommene Sichel bilden, er zieht sie nicht wie die Schwalben nach jedem Flügelschlag an den Körper, Flugleistung pro Jahr: rund 190.000 km. Weitnauer:  Für 21 jährigen Mauersegler errechnete er mehr als 3,8 Mio Flugkilometer, folglich hätte der Mauersegler die Erde fast 100-mal umrundet.  Der Flug der Mauersegler ist ein Wechsel zwischen schnellen, tiefen Flügelschlägen und längeren Gleitflugstrecken. Schwalben flattern mehr und schlagen ihre Flügel nach hinten.

Flug, Anflug

Fachzeitschrift „Der Falke 02/2007“: Gesellschaft für Technische Biologie und Bionik, Prof. Antonia Kesel: Frage: Welche Leistungen faszinieren Sie an Vögeln ganz besonders bzw. welche Vogelart interessiert Sie derzeit am meisten und warum? Antwort Frau Kesel: Na, da halte ich es mit all den Generationen vor meiner Zeit: Natürlich ist das Flugvermögen an sich das Beeindruckendste! Und etwas spezieller, die unglaublichen Leistungen, zu denen Tiere hierbei in der Lage sind. Meine erklärten Lieblinge sind hierbei Mauersegler, die ja aktuell wieder mit unglaublichen Flugmanövern prahlen! Am faszinierensten ist hierbei sicherlich der Nestanflug. Die Tiere schießen mit bis zu 70km/h in eine Öffnung von wenigen Zentimetern und einem Bremsweg von etwa einer Handbreit – ohne die zerbrechlichen Eicher hierbei zu zerstören!!! Versuchen Sie selbiges einmal mit Ihrem Auto: mit 70 km/h in die Garage und an der Rückwand steht eine Palette mit Eiern …

Geschlechtsreife

Fortpflanzung

Im 2. Kalenderjahr, also nach der 2. Rückkehr aus dem Winteraufenthalt.  Weitnauer: Kopulationen am Nest sah er viele, solche in der Luft konnte er nur wenige mit Sicherheit feststellen (V-Stellung der Flügel des Weibchens im Flug als Aufforderung zur Kopulation).

Gewicht

Altvögel: 43 bis 52 Gramm, im Mittel 46 Gramm, abgemagert bis 39 Gramm, verletzte Vögel bis zu 28 Gramm abgemagert. Frisch geschlüpfte Junge nur 4 Gramm, 

Geschwindigkeit

Um größere Entfernungen zu überbrücken, fliegen die Mauersegler durchschnittlich um die 40 km/h. So können sie an einem Tag über 800 km zurücklegen (nach Weitnauer).

Spitzengeschwindigkeiten bei Flugspielen 140 – 200 km/h.

Einflug in Nisthöhlen: 70 km/h (nach v. Arkel, Holland)

Nachtflug:  20-30 km/h um Energie zu sparen.

Größe

Länge 18-21 cm im Durchschnitt 17,5 cm, misst man bis zur Flügelspitze, die den Schwanz überragt, sind es im Mittel 21,4 cm, Spannbreite 38-40 cm,

Junge

Idealgewicht

Bevor junge Mauersegler das Nest verlassen, müssen sie meistens erst abspecken. Offenbar bereiten sie sich damit auf das Leben im Luftraum vor, denn schlanke Vögel sind wendiger und verbrauchen weniger Energie. Wenn der kleine Mauersegler flügge wird, muß sich der kleine Nesthocker von einem Augenblick zum anderen in einen behenden Flugkünstler verwandeln. Anders als viele andere Vögel kennen sie keine Übergangszeit, in der sie ihre Schwingen erproben und sich allmählich von ihren Eltern lösen. Auch als Anfänger durchstreifen sie wie die ausgewachsenen Tiere unermüdlich den Luftraum und sorgen selbst für Ihren Lebensunterhalt. Nach dem ersten Flügelschlag gibt es für die Mauersegler kein Zurück mehr ins Nest. Deshalb müssen sich die Jungen optimal darauf vorbereiten. Wohlgenährte Nestlinge, so beobachteten Forscher der Universität Oxford, sind merklich größer als ihre wenige gut versorgten Artgenossen und werden im Durchschnitt ein paar Tage früher flügge. Doch gleichgültig, ob sie beim Ausfliegen fast fünfzig Gramm wiegen oder nur dreißig, die Flächenbelastung der Flügel – das Verhältnis zwischen Körpergewicht und Flügelfläche – ist immer dasselbe („Animal Behaviour“, Bd 54, S. 99). Selbst die besonders leichtgewichtigen Jungen nehmen in ihrer letzten Woche als Nestling einige Gramm ab. Durchschnittlich verringern sie ihr Körpergewicht um ein Viertel. Zum einen verliert ihr Gefieder einiges an Feuchtigkeit, zum anderen bauen sie ihre Fettvorräte ab. Dieser Babyspeck diente als Notreserve für regnerische Tage, wenn die Eltern meist wenig Insekten herbeischaffen können. Doch sobald ein junger Mauersegler den Luftraum erobert, kann er keine dicken Proviantpakete mitnehmen. Mit einer hohen Flächenbelastung könnte er zwar eine etwas höhere Geschwindigkeit erreichen, er würde beim Fliegen aber deutlich mehr Stoffwechselenergie verbrauchen als seine schlanken Artgenossen. Wie aber erkennen die Jungen, wenn sie die richtige Konstitution haben? Da für heftiges Flügelschlagen kein Platz ist, müssen die Nestlinge ihre Schwingen auf andere Weise erproben. Im Alter von etwa vier Wochen trainieren sie dazu eine Art Handstand. Sie drücken ihre Flügel gegen den Boden und versuchen dabei, Beine und Körper vom Untergrund abzuheben. Einige Tage später gelingt ihnen die Übung für ein bis zwei Sekunden. Im Alter von etwa sechs Wochen schließlich, kurz bevor der Mauersegler das Nest verläßt, können die Flügel den Körper schon mehr als zehn Sekunden lang tragen. Vermutlich prüfen die Nestlinge mit dieser aktrobatischen Übung, ob sie den Abflug riskieren können.

 

Der Falke 07/2006: J. Wright u.a., Proc. R. Soc. Biol. Sc.,:

Wie viel jeder einzelne Jungvogel abnimmt, hängt von seiner Körpergröße und der Fläche der Flügel ab. Im Endeffekt starten dann alle Mauersegler mit etwa der gleichen Belastung pro Quadratzentimeter Flügelfläche. Bereits seit längerer Zeit stallt man sich die Frage, wie Mauersegler entscheiden, wie viel sie abnehmen. Um dies zu beantworten, manipulierte man Gewicht und Flügelfläche einiger Nistlinge. Man klebte einigen Gewichte auf den Rücken und verkürzten bei anderen die Flügelspitzen. Knapp zwei Wochen später, kurz bevor die „Testvögel“ ihr Nest verließen, bestimmte man das Gewicht der so manipulierten Vögel und verglich es mit dem ihrer nicht veränderten Geschwister. Ergebnis: Um das zusätzliche Gewicht und die kleineren Flügel auszugleichen, hatten die beladenen und die beschnittenen Vögel deutlich mehr abgenommen als ihre Geschwister. Die Mauersegler können demnach ihr Gewicht ganz gezielt verändern und erreichen auf diese Weise immer das gleiche Verhältnis von Körpergewicht und Flügelfläche. Vermutlich ermitteln sie ihr Idealgewicht durch Flügelschläge und die im vorgehenden Abschnitt beschriebenen Liegestütze.

 

Junge Altersbestimmung

 
3. - 4. Tag völlig nackt und blind

7.       Tag Kiele des Großgefieders durchstoßen die Haut

9.       Tag brechen die Kiele auf (-2/+4 Tage witterungsbedingt)

6.-13. Tag öffnen sich die Augen

25.     Tag Halsgefieder beginnt zu spriesen

 
28.     Tag Wochen vollständig befiedert mit Ausnahme des Halses
 

35.     Tag Halsgefieder ist entwickelt, Augenfarbe verändert sich allmählich, die dunkelblaue Iris wird
           bis zum Ende der Nestlingszeit tiefbraun.
 
40-42 Tage Schwung- und Steuerfedern ausgewachsen, wobei erstere, wenn sie am Körper 
            anliegen, die letzteren um 2-3 cm überragen.
 
 

Junge

Nestlingszeit:

6 Wochen

Hungerschlaf

 

Durchschnittlich 3 Junge, verlassen Nest nach 6 Wochen vom 20. Juli bis Ende Juli bei reichlichen Insektenvorkommen (40 bis 60 Tage, im Mittel 42 Tage Nestlingszeit, bei guten Bedingungen nach 37 Tagen bei schlechten bis zu 56 Tage) und sind sofort flügge, werden mit haselnußgroßen Insektenballen (mehrere hundert bis über eintausend Insekten) gefüttert, Bei Schlechtwetter können die Jungen bis zu 9 Tage in einen Hungerschlaf fallen (wissenschaftl. Torpor), bei dem sich ihre Körpertemperatur der Umgebung anpasst und die Atemzüge von 40 auf 10 in der Minute absinken. (Normalkörpertemperatur 40° kann um mehr als die Hälfte abgesenkt werden. Dabei verlieren sie bis zu 60 % ihres Gewichts (Abbau von Fett und Muskelmasse) unter 20 Gramm sterben sie. Ältere Nestlinge können auf diese Weise länger als eine Woche ohne Nahrung überleben. Max. 4 Junge siehe Foto Erich Kaiser in „Der Falke 03/2005 Seite 72“.

Kotver-

schmutzung

Im Gegensatz zu Schwalben hinterlassen Mauersegler fast keine Kotspuren, der Kot von den Jungen wird von den Eltern aufgenommen, teilweise auch im Nest belassen, dort trocknet er ein ( NABU-Faltblatt KO9150025). Um keine Feinde, wie Marder anzulocken, reinigen die Eltern das Nest regelmäßig und entsorgen die Ausscheidungen ihrer Küken an einem anderen Ort (schlucken die Ausscheidungen der Jungen).

Literatur

Weitnauer, E. (1980): Mein Vogel – Aus dem Leben des Mauerseglers Apus apus, Verlag Basellandschaftlicher Natur- und Vogelschutzverbandband, 5. Auflage 1994, 99 S.

 

Info-Broschüren von der Vogelwarte Sempach in der Schweiz und vom NABU Deutschland.

 

Hilfe für den Mauersegler, Hohenstein-Ernstthal, Dezember 2001 – Band 8, Beilage 3, ISSN 0942-7872. Mitteilungen des Vereins Sächsischer Ornithologen.

 

Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel – Bemerkungen über den Mauersegler (Ein Büchlein mit 110 Seiten). ISBN 3-89906-463-1. 2003 by Verlad videel OHG, Niebüll. www.videel.de.

 

Kosmos - Gesellschaft der Naturfreunde - Franckh`sche Verlagshandlung Stuttgart.            Jahr 1918 !!!. Hier ist ein Link zum Bericht.                                                                                       Erstaunlich - welches Wissen die Ornithologen bereits im jahre 1918 vom Mauersegler, damals Turmschwalbe, hatten.

 

Richard Gerlach: Die Gefiederten, Januar 1964 !!!, Droemersche Verlagsgesellschaft Th. Knaur Nachf. München/Zürich. Bitte klicken Sie hier zur Anzeige von Gerlach`s Bericht zum Mauersegler. 

Luftanpassung

Ein Vogel, der in der Luft wohnt. Bei Tag und Nacht ist er in der Luft, paart sich sogar gelegentlich in der Luft. Nie muss er sich auf einem Baumast ausruhen oder in Sträuchern Nahrung suchen. Obwohl mit seinen kurzen Beinchen unfähig zu laufen, kann er sich doch vom Erdboden (Piste von 10 m Länge nötig) in die Luft erheben. Kann aber im Gras nicht starten. Seine allerdings äußerst starken Flügel helfen ihm nicht, wie die Amsel auf einen Bissen zuzugehen oder wie der Spatz auf ein gefundenes Körnchen hin zu hüpfen. Wenn nicht ein verständiger Mensch ihn wieder der Luft übergibt, muß er elendiglich zugrunde gehen. Unter allen Vogelarten der Erde ist der Mauersegler diejenige Art, die am extremsten und mit äußerster Perfektion an den Luftraum angepasst ist. Doch birgt hohe Spezialisierung auch Gefahren: Der gefährlichste Feind dieser Hochleistungsflieger ist nasskaltes, stürmisches Wetter, weil dann die Insekten, die sie im Fluge jagen, ausbleiben. Schlechtwetterperioden können zu erheblichen Verlusten unter den Seglern führen, und dann kann es auch vorkommen, daß man geschwächte Alttiere am Boden findet, die durch Wärme und Auffütterung mit Insekten gerettet werden können. Viele Segler weichen ungünstiger Witterung aber auch aus und legen dabei Tausende von Kilometern zurück.

Nachtflug

Die extreme Bindung an die Luft wird verdeutlicht durch: Jungvögel und solche, die nicht brüten oder füttern, nächtigen fliegend in warmen Luftschichten bis in Höhen von 3000 m. Dabei gleiten sie in vielen Wendungen kreisend dahin oder lassen sich von Luftströmungen treiben, einzeln in kleinen oder auch größeren Gruppen. Mit Überwachungsradar in Kloten festgesellt: Flügelschlagmuster 7 Schläge pro Sekunde eines in der Luft nächtigenden Mauerseglers. Die Schlagphasen und Pausen dauern zwischen einer und sechs Sekunden. Vögel fliegen relativ kleinräumig in Höhen zwischen 700 und 3000 m. Bei meist zwischen 20 und 30 km/h mit minimalem Energieverbrauch.

Nestmaterial

Nestbau

Pflanzenwolle und Federn, die er im Flug fängt und beim Bau mit seinem klebrigen Speichel verbindet, auch dürre Hälmchen oder Blätter, die er in der Luft erwischt hat. Der Bau eines Nestes durch beide Partner dauert 10 bis 12 Tage und beginnt gleich nach der Paarbildung. Nest ist ein flacher Ring.

Nahrung

Insekten und Spinnen, die sie gezielt anfliegen und fangen. Dabei wird der Schnabel erst beim Zugreifen geöffnet. In Europa: Blattläuse, Käfer, Fliegen und Hautflügler wie Bienen, Wespen oder Ameisen. In Afrika auch schwärmende Termiten.

Nahrungsaufnahme

 

In den frühen Morgenstunden ca. um 7- 8 Uhr wurden Mauersegler beobachtet, die mit Holz verkleidete Hausgiebelwände nach Insekten absuchten. Beobachtet wurde dies an Ost- und Westgiebeln in der Zeit in der der Luftraum noch arm an Insekten ist. Ein Giebelspitz war für die Insekten wie ein Sammeltrichter, der von Mauerseglern regelmäßig abgelesen wurde. Literatur: „Der FALKE“, Heft August 2005, Seite 257.

 

Bei schönem Wetter muß der Mauersegler für 1g Insektennahrung etwa 40 min. umherfliegen, dabei fängt er je nach Gewicht ca. 50 bis 500 Insekten.

Parasiten

Oft befallen von Federlingen, Milben oder der blutsaugenden Seglerlausfliege (Crataerina pallida).

Nach dem Ausfliegen der Mauersegler verbleiben die Puparien im Kasten. Im Webcamkasten der KSK TUT fand ich am 09.11.07 2 Stück Puparien und habe diese fotografiert und von Matthias Schmidt aus Freiburg bestimmen lassen.

Ruf

Hohes, schrilles, oft gereiht: srih oder sprih. Am Nest von beiden Partnern: swir-rir.

Sommerquartier

In Deutschland: Anfang Mai – Ende Juli/Anfang August

 

Wenn es um die Pünktlichkeit geht, sind uns Vögel um einiges voraus. Die zeitliche Präzision, mit der Arten wie Gartenrotschwanz oder Mauersegler im Frühjahr eintreffen, besticht alle Jahre aufs Neue.  Quelle: Fachzeitschrift „Der Falke 8/2008, Seite 300“.

 

Sonstiges

Im Gegensatz zu Schwalben:  Unbeholfenheit am Boden. 

Auch die Altvögel halten einige Tage ohne Nahrung durch, doch verlieren sie höchstens 40 % ihres Gewichtes; mehr würden sie fluguntauglich machen.

Treue

Neben der ausgeprägten Brutortstreue konnte sogar ein starkes Festhalten am Nistplatz und Partner festgestellt werden. 13 Jahre Ortsehe von Weitnauer nachgewiesen.

Verletzungen

Tierärztliche Hilfe erhalten Sie von der Mauerseglerstation, Leitung Frau Christiane Haupt.

Infos unterwww.mauersegler.com Menüabschnitt „ Mauerseglerstation“.

Oder wenden Sie sich an einen Tierarzt in Ihrer Nähe, der Erfahrung mit Vögeln hat.

Verminderung

der Nistmöglich-

keiten durch

Abriß von Altbauten, Renovierungs- und Dämmschutzmaßnahmen älterer Gebäude. Die zunehmende Vernichtung ihrer angestammten Bruthöhlen ohne neue Nistmöglichkeiten zu schaffen, stellt eine auf Dauer bedrohliche Entwicklung dar. Die modernen Zweckbauten bieten ohnehin keinerlei Nistmöglichkeiten. Oft sind Segler gezwungen, auf drittklassige Plätze auszuweichen, die ungenügenden Schutz vor Hitze oder Kälte bieten und der Brut nicht selten zum Verhängnis werden.

Vorkommen

Verbreitung

ganz Europa, östlich bis nach China (nordöstlicher Teil der Mongolei), südlich bis nach Nordwestafrika, 4-5 Millionen, z.B. in der Schweiz von den Niederungen bis weit in die Alpentäler, bis in Höhen von 2260 m. Nördlichstes Vorkommen: Nördlich des Polarkreises beim 70. Breitengrad in Skandinavien.

 

Der Dachverband Deutscher Avifaunisten:
http://www.dda-web.de/index.php?cat=Daten%20und%20Service&id=6&subid=1&ssc=1&lang=de&species=7950
Mauersegler in Deutschland 230.000-460.000 [BP]  Quelle: 1999 Bauer et al. (2002)
Mauersegler in Deutschland 310.000-410.000 [BP] Quelle: 2005 Südbeck et al. (2008)
(BP = Brutpaare)
Anmerkung BUND Tuttlingen: Somit brüten in Deutschland ca. 800.000 Mauersegler. In Deutschland leben ca. 100 mal mehr Menschen. Das Verhältnis - pro 1000 Einwohner brüten ca. 10 Mauersegler - entspricht dem beobachteten Mauerseglervorkommen im Landkreis Tuttlingen.

 

 

Winter,

Überwinterung

November bis März, Südlich der Sahara, 7000 bis 10000 km von uns weg in Zentralafrika bis Südafrika. Wasserreiche Gebiete in den Savannen und Steppen. Mauersegler nutzen stärker als Schwalben auch den Luftraum über den Feuchtsavannen und den Regenwäldern.

Wohnungsmangel

Es ist eine Tatsache, daß unsere MS in weiten Teilen des Landes unter Wohnungsmangel leiden. So konnte der Verfasser nachweisen (Erich Kaiser, Kromberg), daß die Warteliste auf einen freien Platz so lang ist, daß die meisten Wohnungssuchenden drei oder sogar vier Jahre alt werden, ehe sie das Glück haben, einen durch Ausfall eines etablierten Brutvogels freigewordenen Platz zu finden. Ein einmal besetzter Nistplatz wird Jahr für Jahr wieder besetzt, und auch die Wohnungssuchenden kennen alle Nistplätze ihres Reviers genau und lauern auf jede hier freiwerdende Stelle, wogegen sie sich beim Erschließen neuer Nistmöglichkeiten sehr schwer tun.

Zug

(Zeit, Jungen)

August – Oktober 3 Monate in den Süden, März/April ca. 5 Wochen in den Norden.

Fachzeitschrift „Der Falke 2/2008, Seite 63“: Fast 10.000 km beträgt die Flugstrecke von Frankfurt nach Kapstadt am südlichsten Ende des afrikanischen Kontinents. Ein modernes Flugzeug benötigt dafür elf Stunden. Der Mauersegler, der sich Ende Juli in Mitteleuropa auf den Weg macht, ist zwei Monate unterwegs – er kommt dort Ende September im südlichen Frühling an. Der Vogel stößt im Zielgebiet auf eine andere Welt. Die Landschaft ist anders, die Vegetation, die Tierwelt.

Die Jungen finden den Weg ganz alleine in den Süden und ziehen unabhängig von Ihren Eltern.
Den Anfang nach Afrika machen die Männchen und einjährigen Tiere. Etwas später die Weibchen und Jungvögel. Mittel- und westeuropäische Brutvögel ziehen vorwiegend über die Iberische Halbinsel  nach Nordwest-Afrika und von dort weiter entlang der Küste oder im Direktflug über die Sahara in den Süden Afrikas. 

Zweitbruten

Beobachtungen von E. Kaiser im Jahre 2004: Unter nicht näher bekannten Bedingungen versuchen die Mauersegler Zweitbruten. An 13 von 54 Nistplätzen der Kolonie Kronberg bei Frankfurt gab es Ende Juli Zweitgelege. Am 9. August waren an fünf dieser Plätze Nestlinge geschlüpft, die übrigen Gelege waren nur angebrütet und verlassen. Nur ein Mauerseglerpaar brachte die Jungen der zweiten Brut zum Ausfliegen. Die von den Altvögeln verlassenen Nestlinge wurden von Hand aufgezogen und bis zum 25. September freigelasen. Literatur: Der Falke 03/2005, Seite 72.

 

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